Jesuitenschulen: Ein Opfer spricht

Erst war es der Hauch eines Verdachts, ein Gerücht. Nun bestätigt sich aber durch immer weitere Vorfälle, durch Zeugenaussagen und Geständnisse, dass an den Jesuitenschulen Sachen vorfielen, die wider jede Moral, gegen jedes Ziel eines Schulbesuches verstoßen. Eines der Opfer berichtete gegenüber der Bildzeitung, er habe sich an eine alte Eiche im Park des Internats lehnen müssen. Der Lehrer geriet in eine regelrechte Ekstase, während er den nackten und wehrlosen Schüler immer und immer wieder fotografierte.

Man möchte sich wegdrehen, gar nicht mehr hinhören. Wenn Schüler Jesuitenschulen besuchen, geschieht dies, dass sie eine fundierte, exzellente Ausbildung genießen. Die Eltern bezahlen eine Menge Geld dafür, dass die Schüler aufgenommen und unterrichtet werden. Etwa 1000 D-Mark pro Monat musste man schon hinblättern, für Schule und Internat. Viele werden sich fragen, warum die angeblichen Opfer über Jahrzehnte nichts gesagt haben. Weder die Eltern noch die Öffentlichkeit, weder die Kirche noch die Behörden hatten bisher etwas von den Missbrauchsvorwürfen an den Jesuitenschulen gewusst. Nun vergeht aber kaum ein Tag, an dem nicht neue, furchtbare Details an die Öffentlichkeit kommen.

Der Grund für das Schweigen liegt klar auf der Hand. Die Opfer haben sich geschämt und hatten noch dazu Angst, dass man ihnen keinen Glauben schenken würde. Einen Pater an den Jesuitenschulen mit einer solchen Anschuldigung zu konfrontieren kostet Mut. Außerdem muss jedes Opfer seine Geschichte immer und immer wieder erzählen. Der Mantel des Schweigens wurde über die Dinge gebreitet, selbst wenn damals wirklich jemand etwas mitbekommen hatte. Die Täter sind heute oft schon verstorben, zumindest aber sehr alt. Wird man sie noch zur Rechenschaft ziehen, vor allem angesichts der Tatsache, dass der Strafbestand an sich längst verjährt ist?